„Wettkampfkrimi“ bringt es auf den Punkt, was jetzt der Valberter Thomas Bückemeyer beim Gletschertrail über 63 Kilometer in österreichischen Obergurgl im Ötztal erlebt hat. Der 58jährige hatte sich für die längste angebotene Distanz mit etwa 3600 Höhenmetern gemeldet. Die Trainingsvorbereitung hatte gepasst, die Strecke kannte Bückemeyer noch vom letzten Jahr, und die Wetterbedingungen am Wettkampftag waren gut: Beim Start nachts um 2 Uhr betrug die Temperatur etwa 10 Grad Celsius, während der gesamten Veranstaltung blieb es niederschlagsfrei, abgesehen von kleineren kurzen Regenschauern. Nach dem Start auf knapp 2000 Metern ü. A. führte die Strecke über mehrere An- und Abstiege rauf bis auf 3006 Meter ü.A.

Der für die TSG Valbert startende Athlet hatte die Rechnung allerdings ohne den Faktor „Tagesform“ gemacht. Genau die war nicht die Beste. Liefen die ersten 20 Kilometer noch ganz gut, tat sich Bückemeyer bei dem steilen Anstieg zum höchsten Punkt des Rennens, der Ramol Hütte, sehr schwer. Der folgende Abstieg bei Rennkilometer 33 gilt als der schwierigste Streckenteil, da machten sich bei dem Valberter schon Ermüdungserscheinungen bemerkbar.
Für zusätzlichen Druck sorgten die üblichen Cut Off Zeiten, denen sich Bückemeyer bei jedem Kontrollpunkt näherte. Nachmittags gegen 15 Uhr, also nach 13 Stunden Laufzeit, wollte er den Lauf bei Kilometer 40 abbrechen: „Ich musste bis spätestens 18 Uhr im Ziel sein, dass schien mir zunehmend unwahrscheinlich. Ich hätte auf den letzten gut 20 Kilometern mein Tempo leicht steigern müssen, das konnte ich mir nicht vorstellen“, so Bückemeyer über seine Gedanken bei dem Wettkampf.

Zudem wurde Bückemeyer schon vom Besenläufer eingeholt, eigentlich ein Zeichen, dass das Rennen für den betroffenen Athleten vorbei ist. Der Besenläufer hatte aber von der Rennleitung das OK, den Zielschluss um 15 Minuten zu verlängern. Davon motiviert, wollte Bückemeyer zumindest versuchen, diesen Wettkampf sauber zu beenden. Mit dem Besenläufer hinter sich, sammelte Bückemeyer seine Kräfte, meisterte die restlichen Anstiege souverän, und konnte dann am Ende vier Minuten vor der regulären Wettkampfzeit in 15:55:51 Stunden den Wettkampf als 73. und letzter Läufer beenden. „Es fiel mir sehr schwer heute, und auf dem letzten Platz zu landen ist jetzt kein Traumergebnis. Aber bei diesem Wettkampf ist Durchkommen schon Herausforderung genug“, so Bückemeyer abschließend. 73 Männern im Ziel standen 11 Abbrecher gegenüber, bei den Frauen erreichten 18 Athletinnen das Ziel, 8 brachen den Lauf ab.

